Foto: © Bäbel Müller

Am 13.09.2025 trafen sich 20 Waldbauern in Langenfeld, um an einer Lehrfahrt zur Hatzfeldt-Wildenburg´schen Verwaltung des Schlosses Schönstein bei Wissen teilzunehmen.  Auf einer Fläche von 15.058 ha betreibt die Hatzfeldt-Wildenburg´sche Verwaltung in Rheinland-Pfalz, Brandenburg und Thüringen eine ökologisch und ökonomisch ausgerichtete Waldwirtschaft. Die Wälder in Rheinland-Pfalz rd. 7500 ha befinden sich seit über 500 Jahren im Besitz der Familie. Gegen 9.00 Uhr, nach einer zweistündigen Fahrt, wurden wir von Herrn Dr. Franz Staubinger in Birken-Honigessen empfangen. Er war über drei Jahrzehnte dort als Geschäftsführer tätig.

Wir fuhren direkt ins Revier um unterschiedliche Waldbilder zu begutachten. Dort erhielten wir erste Eindrücke über die Auswirkungen der gezielten Bejagung, da wir vor Ort sehr viel Naturverjüngung unterschiedlichen Alters bestaunen konnten. Herr Dr. Straubiger führte aus, dass es erwiesene Studien gibt, bei der durch effektive Jagdausübung die Kosten pro Hektar für die Eigentümer der Flächen zu Ersparnissen von 120 € bis 140 € pro Jahr führt. Zum einen muss weniger gepflanzt werden und zum anderen ist der Einzelschutz nicht notwendig. In diesem Waldbereich konnten wir die Anpflanzung von fremdländischen Baumarten wie die Küsten- und Hemlocktanne von vor ca. 40 Jahren bestaunen. Diese Baumarten zeigen einen hohe jährlichen Zuwachs und haben sich den Umweltbedingungen hier sehr gut angepasst.

Bei der nächsten Fläche, die in Augenschein genommen wurde, sah man wie durch gezieltes Nachpflanzen von Weißtannen, die zunächst dort nicht vorhandene Baumart erstmalig eingebracht wurde. Die Pflanzen wurden in größerem Abstand gesetzt, so dass dazwischen weiterhin andere Baumarten das ganze durchmischen.

An einem weiteren Standort konnten wir eine Fläche begutachten, bei der es 2020 durch Käferbefall nahezu zu einem Komplettausfall geführt hatte. Hier fanden ebenso gezielt Nachpflanzungen u.a. von Esskastanie in Reihe statt, allerdings war auch hier eine große Vielfalt an Naturverjüngung feststellbar. Zur allgemeinen Vegetation wurde angemerkt, dass selbst Ginster, Holunder oder anderweitige Sträucher begleitend stehen gelassen werden, solange sie nicht über die Krone der Bäume wachsen, um dann zur Konkurrenz zu werden. Der Sinn dahinter ist, dass der Boden nicht direkt der Sonne ausgesetzt wird und es genügend unterschiedliche Äsung für das Wild geben soll.

Herr Dr. Straubinger wies darauf hin, dass die Jagdverpachtung um die Forstwirtschaft zu schützen nur dann funktioniert, wenn die Pächter vor Ort sind oder die Begehungsscheininhaber, vor Ort Rehwild effektiv bejagen dürfen. Dabei sollten je nach Wilddichte bis zu 15 Rehe je 100 ha erlegt werden. Die verschiedenen Waldbilder die gezeigt wurden spiegeln genau das wieder. Die Lösung ist hier eine zielgerichtete Bejagung anstatt Jagdpacht nach Höchstgebot.

Am letzten Standort wurde deutlich, dass es auch für den engagiertesten Jäger teilweise durch dichten Waldbewuchs schwierig wird, die Ziele der Bejagung umzusetzen. Dieser Punkt wurde uns von Pirschbezirksinhaber Herr Neumann näher erläutert. Aus diesem Grund wurden gerade neue Sicht- und Schussschneisen eigerichtet, die den notwendigen Abschuss ermöglichen sollen. Die Kosten dieser ersten größeren Maßnahme trägt der Eigentümer, die anschließende Pflege übernimmt der Jagdpächter. Nahezu 100% der Jagdpachteinahmen werden wieder in die gezielte Förderung der Jagd investiert. Generell ist die Jagdpacht im Vergleich zu kommunalen Verpächtern mit einem geringen zweistelligen Pachtbetrag pro Hektar sehr human. Allerdings wird dafür auch einiges verlangt und es gibt jährlich gemeinsame Begehungen, um Verbiss- und Fegeschäden aufzudecken, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Foto: © Bärbel Müller

Um ein Waldrevier effektiv so zu bejagen, dass eine artenreiche Wiederbewaldung stattfinden kann, wird eine Umstellung der Jagd notwendig.

Im Anschluss an diesen von Herrn Dr. Straubinger hervorragend erläuterten Besichtigungen der Waldbilder, trafen sich die Waldbauern im Restaurant Germania in Wissen zum Mittagessen, und traten danach die Heimreise an.

Es war für alle Teilnehmer eine sehr aufschlussreiche Veranstaltung.

 

Christian Müller